Montag, 18. Mai 2015

Yoga und Geduld

Die letzten Wochen hat es mir richtig gut getan, mich beim Yoga mal wieder etwas zu fordern und meine Muskeln bzw. meine Körperkraft wieder aufzubauen. Wie an anderer Stelle schon erwähnt, schlage ich mich seit über einem Jahr mit Schmerzen in meiner rechten Schulter und meiner rechten Hüfte herum: Und auch wenn es sicher richtig ist, sich zu schonen, wenn bestimmte Schmerzen bestehen, habe ich für mich festgestellt, dass ein achtsames Training genau das Richtige war. Durch den gezielten Muskelaufbau sind die Schmerzen fast vollkommen verschwunden. Und eine weitere Nebenwirkung ist, dass ich mich einfach kräftiger fühle, was sich richtig gut und ausgleichend auf meine Psyche auswirkt (neben Meditation).

Was ich dabei lernen musste, war allerdings Geduld. Meine Fitness-Studio-Zeiten sind schon etwas länger her, deshalb hab ich auch lange nicht mehr so viel Kraft wie ich es schon mal gewohnt war - dazu kommen zwischenzeitlich auch diverse Zipperlein. Für mich ist es eine schwierige Übung mich zu fordern, aber nicht zu überfordern - bzw. dann nach Überforderung frustriert aufzugeben. Besonders schwierig ist es, wenn ich die Kraft oder die Kondition schon mal hatte und den Eindruck habe, jetzt wieder bei Null anfangen zu müssen. Das Gefühl, schon wieder besser sein zu müssen, weiter sein zu müssen etc. 


Gerade deshalb hat es mir unglaublich gut getan, auch zu lernen, das Training ohne wirkliches Ziel zu gestalten: Zwar am Ball zu bleiben und die kraftaufbauenden Übungen regelmäßig zu machen, dabei auch zu spüren wie ich kräftiger werde - aber keinen Druck auf mich auszuüben. Ziel war nur, jeden Tag auf die Matte zu gehen und sich der Herausforderung generell zu stellen. Der Muskelaufbau und mein sich verbesserndes Selbstbewusstsein waren dabei nicht das Ziel, sondern ein willkommener Nebeneffekt. Und plötzlich bin ich ohne Schulterschmerzen wieder in den Chaturanga Dandasana gekommen, was ich schon fast nicht mehr für möglich gehalten hätte.


Trotzdem ich jetzt wesentlich achtsamer bin, tut mir schon zum zweiten Mal mein linkes Handgelenk so weh, dass ich mich nicht mehr drauf stützen kann. Irgendwie scheine ich das Gelenk falsch zu belasten, wenn ich täglich mehrere Sonnengrüße hintereinander in einem Flow mache. Auch wenn mich so eine Verletzung immer noch frustriert, mache ich mir jetzt keine Vorwürfe mehr oder beschimpfe mich, sondern weiche stattdessen auf andere Übungen/Asanas aus. Hauptsache ich bleibe weiter dran und lasse mich nicht mehr so schnell entmutigen. Und somit trainiere ich nicht nur meine Muskeln, sondern übe auch, geduldig und sanft mit mir zu sein.

Kommentare:

  1. herzlichen Glückwunsch das du so gut mit dir selbst umgehen kannst . Und gute Besserung für dein Handgelenk!

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    1. Ist immer noch ein Ringen mit mir selbst - aber ich habe sehr viel Fortschritte gemacht die letzten Monate. Vor allem komme ich langsam von meinem Selbsthass weg - das tut immens gut! :)

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  2. ja,das zu überwinden ist enorm schwierig. Ich weiß das ja von mir selbst wie viel Kraft das kostet und wie regelrecht "süchtig" eines nach Selbstzerstörung/-zerfleischung werden sein kann...es ist ein ständiger Kampf -aber es ist der beste den du ühren kannst..

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