Wie ich neulich unter Bestrickendes schon beschrieben habe, ist das mit Handarbeit und mir so eine Sache. Ich habe das lange Zeit nicht wertgeschätzt und als "Mädchenzeug" auch nicht selber machen wollen. Bei den schon erwähnten Hexentreffen machte ich dann Bekanntschaft mit spinnenden Frauen* und ihren Handspindeln. Und wider Erwarten fand ich es unglaublich interessant und bereichernd, zwischen diesen Spinnerinnen *höhö* zu sitzen und einen Einblick zu bekommen, wie diese Form der Handarbeit wohl in vergangenen Zeiten ausgeübt wurde.
Es erinnerte mich wirklich an Spinnen (im Mythos wird die Spinnerin Arachne von Athene in ein solches Tier verwandelt), weil es fast etwas organisches hatte, wie die Hände der Frauen mit unglaublicher Geschwindigkeit und scheinbar aus dem Nichts Fäden spannen. Seither sehe ich die Herstellung von Garnen, Stoffen und Kleidung mit anderen Augen und generell als wichtige und faszinierende Kulturtechnik, die völlig zu Unrecht hinter dem oft männlich konnotierten Handwerk zurücksteht. Sogar mein Bezug zu spinnenden Schicksalsgöttinnen (Moiren/Parzen bzw. Nornen) hat sich seitdem geändert bzw. meine Beziehung hat sich vertieft - aber dazu an anderer Stelle mehr.
Meine bisherigen Spinnversuche waren jedoch weit davon entfernt, so elegant, natürlich und organisch auszusehen - dazu fehlt mir bislang auch die Übung. Nach einigen ersten Versuchen bei den Treffen produzierte ich noch eher "Regenwürmer" - also sehr dicke und eher unansehnliche bzw. unbrauchbare Fäden. Mal davon abgesehen, dass mir der Faden in regelmäßigen Abständen gerissen ist, was mich auch etwas frustriert hat.

Vor einiger Zeit (ja, sind jetzt wohl wirklich 3 Jahre oder so) hat mir Faserpiratin eine Kopf-Spindel mit aufgemalter Midgard-Schlange geschenkt. Erst jetzt, wo ich unter Spinnerinnen wohne (im wahrsten Sinne, fällt mir gerade auf *g*) konnte ich mich dazu aufraffen, das Geschenk einzuweihen. Und was soll ich sagen: Zumindest produziere ich auf Anhieb keine Regenwürmer mehr! Auch wenn der Faden unregelmäßig ist und etwas zu viel Drall aufweist, bin ich schon ganz gut vorangekommen und es hat auch Spaß gemacht. Für elegant muss ich noch etwas üben und hoffe mich im Sommer wieder mehr dazu motivieren zu können (während depressiver Phasen nicht so einfach). Zumindest fände ich es toll, mal ein wirklich eigenes Garn hergestellt zu haben, mit dem ich dann ein kleines Strick-Graffiti stricken könnte.
Mit Stricken und Handarbeit war das für mich immer so eine Sache. Als Kind und im Jugendalter habe ich das total abgelehnt, weil es mir a) im Handarbeitsunterricht aufgezwungen und nicht richtig erklärt wurde (im Gegenteil wurde mir immer gesagt wie hässlich mein Gestricktes sei) und b) weil es "Mädchenzeug" war, wovon ich mich ganz klar abgrenzen wollte.
Für Handarbeiten begeistert habe ich mich erst wieder vor ein paar Jahren, als ich auf einem Hexentreffen beständig von strickenden oder spinnenden Frauen umgeben war. Seitdem begreife ich Handarbeit auch sehr viel stärker als wichtige und faszinierende Kulturtechnik und Kunst, die nur deswegen so belächelt wird, weil sie vorrangig als typisch weibliche Tätigkeit angesehen wird.
Angefangen mit dem Stricken habe ich dann erst vor ein paar Monaten, zunächst mit einem Strick-Graffiti: Ich wusste, dass das relativ schnell gehen würde und außerdem wollte ich einen Totenkopf stricken (als späte Rache für meine nervigen und altbackenen Handarbeitslehrerinnen, die so etwas nicht geduldet hätten). Das Graffiti hat Fehler, aber ich habe es nicht noch einmal aufgetrennt, weil ich sowieso gerade lerne und übe, dass nicht immer alles perfekt sein muss.
Die nächsten zwei Projekte waren dann Rundschals (rundgestrickt), jeweils aus dem tollen Garn einer Freundin, die Art Yarns macht und verkauft. Der erste und schwarz-rote Schal war abwechselnd links und rechts bzw. kraus und glatt gestrickt. In dem Garn sind kleine rote Totenschädel eingesponnen.
Der zweite und grünliche Schal hat eingesponnene Glitzersteinchen und Perlen und ist ganz glatt. Das Stricken hat total viel Spaß gemacht und ich hätte nicht gedacht, dass ich mich nach all den Jahren noch an rechte und linke Maschen erinnere, aber es ging irgendwie. Vielleicht traue ich mich die nächsten Wochen noch mal an ein Dreieckstuch heran. Und zusätzlich möchte ich im Sommer noch spinnen lernen, weil ich eine schöne Handspindel geschenkt bekommen habe! :)